Bericht Christoph Schwaighofer
Im Frühling 2005 habe ich von der Möglichkeit erfahren, über die Städtepartnerschaft Salzburg - Singida (SCSS) einen mehrmonatigen Aufenthalt als Voluntär in Singida/Tansania zu absolvieren.
In den zweieinhalb Monaten, die ich von Dezember 2005 bis Februar 2006 in Singida verbracht habe, konnte ich bei vielen Projektbesuchen und -planungen sowie der täglichen Büroarbeit dabei sein, wo ich mich auch selbst einbringen konnte.
Unter den vielen verschiedenen Aktivitäten von SCSS (Wasserversorgung, Aufforstung, Schulbauten, Unterstützung von Frauengruppen, ...) war für mich das aktuelle Projekt, ein Heim für Straßenkinder, das wertvollste. Dieses Heim wird von SCSS auch nach Fertigstellung weiter betreut und bietet somit allen Freiwilligen eine gute Chance, selbst aktiv mitzuarbeiten.
Durch den engen Kontakt zu den Mitarbeitern Sybille Voggenhuber (SCSS) und Amos Maliwa (CDTF, die tansanische Partnerorganisation), die über viele Jahre Erfahrung im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit gesammelt haben, konnte ich mir in dieser Zeit ein sehr gutes Bild von den Anforderungen und auch Schwierigkeiten dieser Arbeit machen.

Für meinen Aufenthalt in Singida bekam ich von SCSS eine kleine Wohnung im Büro zur Verfügung gestellt und ein Taschengeld, das etwa dem Einkommen einer tansanischen Familie entspricht (60 Euro).Es ist sehr einfach, mit den offenen und freundlichen Menschen in Singida Kontakt zu schließen. So war es mir auch möglich, viel über die Bedingungen des normalen tansanischen Lebens zu erfahren. Es ist spannend zu sehen, unter welchen Bedingungen die Menschen hier um ihr Überleben kämpfen müssen und dennoch niemals ihre gute Laune, ihre Freude am Singen und Lachen verlieren. Über 90% der Bevölkerung der Region Singida sind von der Landwirtschaft unmittelbar abhängig. Die Regenzeit (etwa von Dezember bis März) und die Dichte der Regenfälle sind ausschlaggebend dafür, ob eine Familie durch das Jahr kommt und ob es auch noch möglich ist, das erforderliche Geld für Dinge aufzubringen, die man nicht selbst produzieren kann (Zucker, Tee etc). Dazu kommen die Kosten für Schulgelder, erforderliche Uniformen und Ausbildung der Kinder. Die tansanischen Familien, speziell in den Dörfern, sind kinderreich, auch deshalb, weil die Kinder dringend als Arbeitskräfte in der Landwirtschaft benötigt werden (Kühe und Ziegen hüten, Gemüseanbau und tägliche mühsame Arbeiten wie Wasserholen).
Der Analphabetismus ist speziell im ländlichen Raum weit verbreitet. Insgesamt gesehen, hat der Aufenthalt in Singida für mich wesentlich dazu beigetragen, Klarheit für meine Zukunftspläne zu gewinnen.
Text: Christoph Schwaighofer
Voluntariatsbericht: Herwig Viechtbauer